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„Muss hier erst etwas Schlimmes passieren“

Anwohner der Wessels Straße kritisieren Bürgermeister: „Bekommen einfach keine Antwort“

„Etliche Autofahrer rasen mit viel zu hohem Tempo durch die Fahrradstraße. Hier haben viele Bürger den Eindruck, dass erst einmal etwas Schlimmes passieren muss, bevor Verwaltung und Politik reagieren.“ Der Familienvater Tim Reschke wohnt an der Wessels Straße im Ortsteil Lechtingen, die von der Gemeinde zugleich als Anwohner- und Fahrradstraße ausgewiesen worden ist. Wie andere Bewohner der Siedlung ist er „zutiefst enttäuscht und verärgert“ über die Wallenhorster Entscheidungsträger, die dort „viel zu wenig gegen das viel zu hohe Verkehrsaufkommen unternehmen.“  

So habe eine in Eigenregie der Anwohner durchgeführte Verkehrszählung ergeben, dass in Stoßzeiten bis zu 140 Pkw und schwere Lkw auf der Wessels Straße unterwegs sind. Zahlreiche Autofahrer würden sich nicht an das geltende Tempolimit 30 halten. Auch die auf einer Fahrradstraße geltenden Regeln werden vielfach nicht akzeptiert, berichtet Tim Reschke: „In einigen Fällen wurden Fahrradfahrer sogar beschimpft, weil sie den Autos keinen Platz machen wollten.“ Dabei ist die auf der Wessels Straße geltende Regelung völlig eindeutig. Fahrradfahrer haben hier Vorrang und Autos müssen sich ohne Drängeln und Hupen dahinter einreihen.

Besonders frustriert ist Tim Reschke über das Verhalten von Bürgermeister Otto Steinkamp. Der habe zwar auf eine erste Anfrage in dieser Sache reagiert und dafür gesorgt, dass für vier Wochen eine gut sichtbare Geschwindigkeitsmessanlage an der Fahrradstraße installiert wurde. Diese sei dann aber wieder abgebaut worden. An der aus Sicht der Anlieger prekären Verkehrssituation hat sich zudem nichts geändert, berichten auch andere Anwohner: „Hier kann jederzeit ein schrecklicher Unfall passieren. Es kann doch nicht sein, dass dies dem Bürgermeister und den Ratsmitgliedern egal ist.“

Er selbst habe Bürgermeister Otto Steinkamp nach dem Ende der Geschwindigkeitsmessung drei mal per Mail angeschrieben und um ein Gespräch gebeten, berichtet Tim Reschke: „Die Reaktion war gleich Null. Ich habe einfach keine Antwort bekommen.“ Auf eine entsprechende Nachfrage des Bürger-Echos reagierte der Bürgermeister binnen zwei Tage. Demnach habe er dem Anlieger mitgeteilt, dass „die Überwachung des fließenden Verkehrs der Polizei und dem Landkreis Osnabrück obliegt“ und beide Behörden gebeten, Geschwindigkeitsmessungen an der Wessels Straße durchzuführen.

Darüber hinaus habe er angeordnet, dass dort für vier Wochen ein Geschwindigkeitsgerät mit Display aufgehängt wird, was dann auch zeitnah umgesetzt wurde. Dabei habe sich herausgestellt, dass sich 85 Prozent der Autofahrer an das an der Wessels Straße geltende Tempolimit halten, berichtete Otto Steinkamp. „Dies entspricht einem Wert, der auch in anderen Tempo 30-Zonen im Gemeindegebiet üblich ist.“

Für den Bürgermeister war der Handlungsbedarf damit offenbar erfüllt. Von weiteren Maßnahmen zum Schutz der Anwohner spricht er auch in seiner Antwort an das Bürger Echo nicht. Genau das kann Tim Reschke „überhaupt nicht nachvollziehen“. Wenn der Bürgermeister selbst davon spricht, dass 85 Prozent der Autofahrer höchstens Tempo 30 auf der Wessels Straße fahren, bedeutet das auch, dass 15 Prozent deutlich tiefer aufs Gaspedal drücken. „In Spitzenzeiten sind das pro Stunde mehr als 20 Pkw und Lkw, die hier schneller als erlaubt unterwegs sind“, rechnet der besorgte Anwohner vor: „Hier wohnen auch viele Kinder und alte Menschen. Das kann man doch nicht einfach so hinnehmen.“

Für mehr Sicherheit schlägt Tim Reschke neben vermehrten Geschwindigkeitskontrollen den zusätzlichen Einbau Tempo-mindernder Kissen auf der Fahrbahn und eine bessere Beschilderung vor, die gleich bei der Einfahrt kurz aber deutlich auf die Regeln einer Fahrradstraße hinweisen. Die Anwohner würden sich gern auch weiterhin mit guten Ideen einbringen. „Wir laden den Bürgermeister zu einem Termin vor Ort ein, um ihm die Problematik noch einmal zu verdeutlichen und am besten gemeinsam nach einer guten Lösung zu suchen.“ (H.)


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