Arbeitsgemeinschaft von Hummert und Hülsmann bekommt Zuschlag für die nächsten zehn Jahre –
Start am 1. November geplant – Kehrtwende ist „keine politische Entscheidung“
Es hat viel Energie und Nerven gekostet. Jetzt sieht es aber so aus, dass die Busunternehmen Hummert und Hülsmann nun doch die Konzession für den öffentlichen Busverkehr in der Gemeinde Wallenhorst bekommen werden. „Ja, wir gehen davon aus, ab dem 1. November 2025 an den Start zu gehen“, erklärt Karl Hülsmann, Seniorchef der Hülsmann Reisen GmbH aus Voltlage auf Nachfrage des Bürger-Echos. Nach monatelangem Hin und Her hat es von der zuständigen Nahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) eine Zusage für das Konzept gegeben, das die genannten beiden Busunternehmen als Arbeitsgemeinschaft (ARGE) gemeinsam für den Busverkehr innerhalb der Gemeinde und nach Osnabrück erarbeitet haben.
Das Konzept sieht neben mehreren Umstieg-freien Direktverbindungen nach Osnabrück und Optimierungen innerhalb der Wallenhorster Ortsteile unter anderem auch Neuerungen vor, die heftige Kritik in Teilen der Bevölkerung ausgelöst haben. Insbesondere der geplante Wegfall der Linie 533 von Rulle nach Osnabrück-Haste wird von vielen Bürgern als Verschlechterung empfunden. Deutlich wurde das zum Beispiel bei einer jüngst von der unabhängigen Ratsfrau Marion Müssen organisierten Demonstration mit mehr als 250 Teilnehmern gegen die Streckenstreichung. Zumindest bis zum ARGE-Start am 1. November wird sich an dem Ende der ÖPNV-Verbindung über den Haster Berg „sicher nichts ändern“, berichtet Karl Hülsmann. Dass die Linie 533 zu einem späteren Zeitpunkt wieder angefahren wird, schließt der Busunternehmer nicht aus: „Das wird man sehen.“ Sicher ist, dass es einige weitere Neuerungen gibt, die das Angebot weiter verbessern sollen. So sind für die Linie X 530 von Wallenhorst über Lechtingen nach Osnabrück zwei weitere Abendverbindungen vorgesehen. Zudem stehe man in den Gesprächen mit dem Osnabrücker Stadtverkehr über die Buslinien von Hollage über Pye „kurz vor einer einvernehmlichen Lösung“.
Bis vor wenigen Wochen hatte es noch so ausgesehen, dass die ÖPNV-Busse in Wallenhorst auch nach dem 1. November weiter im Rahmen eines Notfallfahrplans unterwegs sein werden, weil die LNVG den zwei am Neustart beteiligten Busunternehmen eine Absage erteilt hatte. Ihren Ablehnungsbescheid hatte die Landesbehörde vor allem mit erheblichen Zweifeln an der Wirtschaftlichkeit des ARGE-Konzepts begründet. Kurze Zeit später kam dann die Kehrtwende, die ein LNVG-Sprecher gegenüber dem Bürger-Echo unter anderem so begründet: „Die wirtschaftlichen Bedenken konnten ausgeräumt werden.“ Auf welchen inhaltlichen Grundlagen diese Neubewertung erfolgt ist, erklärt die Genehmigungsbehörde im Kern wie folgt: „Die ggf. weiteren Angaben, die die ARGE und der Landkreis im Einzelnen gemacht haben, können wir hier aufgrund der Komplexität des Verfahrens nicht darstellen.“
Dass der Wechsel vom „Nein“ zum „Ja“ auch in Folge von politischem Druck erfolgt ist, schließt die LNVG ausdrücklich aus, da „es sich hier um eine rein verwaltungsrechtliche Entscheidung handelt“. Bei der Neubewertung seien „auch die Belange der Gemeinde Wallenhorst umfassend einbezogen und berücksichtigt“ worden. Als Ergebnis enthalte der Genehmigungsbescheid zum Beispiel die Verpflichtung, „die weitere Einbindung von Haltestellen in Rulle zu prüfen“. Ob diese Vorgabe auf die Wiederaufnahme der Linie 533 über den Haster Berg abzielt, lässt die LNVG offen.
Die ARGE-Vertreter hatten dazu in der Vergangenheit erklärt, dass eine Ausweitung des Busangebots zwar grundsätzlich möglich sei, aber mit zusätzlichen Zahlungen seitens der Gemeinde verbunden sind, wenn dadurch höhere Kosten entstehen. Mit Inkrafttreten des nun doch genehmigten Buskonzepts verpflichtet sich die Gemeinde Wallenhorst bis 2035 auf eine jährliche Zahlung von mindestens 432.000 Euro zur Subventionierung des Busverkehrs. Der Landkreis Osnabrück als zuständiger Aufgabenträger engagiert sich hier sogar mit einem Jahres-Zuschuss in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro.
Wenn es nach dem Grünen-Fraktionschef Rüdiger Schulz geht, müsste der Landkreis komplett für die Finanzierung des ÖPNV aufkommen, da „dies allein seine Aufgabe und nicht die der angeschlossenen Kommunen ist“. Als Konsequenz wirbt er um Zustimmung für einen Antrag, der einen Zahlungsstopp aus Wallenhorst vorsieht: „Wir können es uns nicht leisten, insgesamt weit über vier Millionen Euro für Aufgaben auszugeben, für die wir als Gemeinde gar nicht zuständig sind.“ (H.)

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