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„Wir brauchen hier kein teures Vorzeigeprojekt“

Bürgerdialog der Gemeinde zum Mehrgenerationenplatz am Hubertusring:

Hitzige Stimmung bei kühler Witterung – Land hat Zusage für Fördergeld erteilt – 

Besser den Spielplatz in Schuss bringen

Kühles Eisheiligenwetter mit unangenehmen Windböen und mehr als 60 Anwohner, von denen etliche mit deutlich vernehmbaren Unmutsbekundungen auf die Pläne der Gemeinde zur Umgestaltung des Hubertusrings reagierten. Mittendrin auf dem Lechtinger Spielplatzgelände zwei Mitarbeiterinnen des beauftragten Planungsbüros, die mittels bunter Schautafeln und bereitgestellten Textmarkern versuchten, ein Meinungsbild zu erstellen.

Wie genau das an diesem Nachmittag war, zeigte sich schon nach kurzer Zeit. Auch die beruhigenden Worte der anwesenden Bauamtsleiterin Claudia Broxtermann änderten nichts daran, dass mehr und mehr Anwesende mit einem stummen Kopfschütteln oder einem lauten „Lasst es einfach sein“ mitteilten, was sie von der ihnen bekannten Planung halten. Für eine der beiden Referentinnen war es schließlich zu viel. Sie verließ den Bürgerdialog vorzeitig.

An dem Grund für ihren Ärger ließen vom Bürger-Echo angesprochene Bürgerinnen und Bürger keinen Zweifel: „Hier ist doch schon alles entschieden. Der so genannte Bürgerdialog ist nur eine Farce“, betonten zum Beispiel zwei Mittvierziger, die „aus beruflichen Gründen“ anonym bleiben wollten. Andere Anwesende äußerten sich ähnlich kritisch. „Wir brauchen hier kein teures Vorzeigeprojekt für mehrere Hunderttausend Euro“, betonte beispielsweise Ulrich Vogt, der in der angrenzenden Siedlung wohnt. „Es würde völlig ausreichen, wenn die Gemeinde endlich den Spielplatz in Schuss bringt und die daneben liegende Grünfläche besser pflegen würde“, ergänzten Birgit Papst und Emely Meyering. Einig waren sich die beiden Lechtingerinnen vor allem darin, dass der Planungsprozess nicht transparent genug gewesen sei und bei vielen Menschen für Verunsicherung sorgt: „Bislang hat uns niemand gesagt, was hier wirklich passieren soll.“

Tatsächlich hatte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit grundsätzlich grünes Licht für einen Mehrgenerationenpark am Hubertusring gegeben – unter der Voraussetzung, dass es dafür Fördergeld vom Land Niedersachsen gibt. Einen Tag nach dem Bürgerdialog teilte die Gemeindeverwaltung dem Bürger-Echo auf Nachfrage mit, dass inzwischen eine Förderzusage in Höhe von 279.000 Euro vom Land vorliegt. Damit das Geld fließt, müsste die Gemeinde 150.000 Euro aus eigenen Mitteln dazu geben und dafür sorgen, dass die Baumaßnahme am Hubertusring bis zum Jahresende abgeschlossen ist, berichtet die Bauamtsleiterin Claudia Broxtermann. Aus Sicht der Gemeindeverwaltung und einer großen Mehrheit im Gemeinderat ist das Projekt eine sehr gute Chance, die Fläche im Sinne der Bevölkerung aufzuwerten.

Mit welchen konkreten Veränderungen und Investitionen das erreicht werden soll, steht nach Angaben der Verwaltung noch nicht fest. „Wir sind hier in der Planungsphase“, erklärt die Bauamtsleiterin. Mit der Veranstaltung wollte man dafür frühzeitig auch Stimmen von außen – also auch von den Anwohnern – einholen. Mit Blick auf den eher frostigen Verlauf betonte Claudia Broxtermann, dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn eine Planung von kritischen Äußerungen begleitet wird. Gleichwohl räumte sie ein, dass die Kommunikation zu diesem Thema offenbar nicht optimal war. Fakt sei dessen ungeachtet, dass es noch keine fertige Planung für den Hubertusring gibt.   

Die vorgebrachten Anregungen und Kritikpunkte sollen nun in dem weiteren Planungsprozess berücksichtigt werden. Ziel sei, dass am Hubertusring etwas entsteht, was Akzeptanz und Zustimmung bei der Bevölkerung findet, betonte auch der SPD-Ratsherr Norbert Hörnschemeyer, der sich als Besucher der Veranstaltung „beeindruckt“ zeigte, wie sehr das Thema viele Anwohner bewegt. Er nehme von dem Bürgerdialog mit, dass „wir uns genügend Zeit für die weitere Planung und die Bürger dabei auf jeden Fall mit ins Boot nehmen müssen.“ Das sei übrigens nicht nur seine persönliche Einschätzung, sondern auch die Meinung der SPD-Fraktion. Dass aus ihrer Sicht nichts gegen eine weitgehend einvernehmliche Lösung spricht, betont auch die Bauamtsleiterin Claudia Broxtermann. So entspreche etwa die von vielen Bürgern vorrangig geforderte Verschönerung des Spielplatzes mit neuen Spielgeräten sowie das Aufstellen bequemer Sitzbänke absolut den Absichten der Verwaltung. Völlig falsch sei dagegen die auch am Nachmittag des Bürgerdialogs hinter vorgehaltener Hand kursierende Behauptung, dass bei einer Neugestaltung der Fläche mehrere Bäume fallen sollen. Zur Wahrheit gehöre dagegen, dass die Gemeinde mit den Fördergeldern vom Land deutlich bessere finanzielle Möglichkeiten für eine bürgerfreundliche Gestaltung der Fläche hätte. Aus diesem Grund seien weitere Gespräche auch mit kritischen Anwohnern zwar sinnvoll. Dafür müsse es aber einen klar strukturierten Zeitplan geben: „Bei allem Verständnis für die Kritikpunkte muss allen klar sein, dass die Fördergelder voraussichtlich zurückgezahlt werden müssten, wenn die Baumaßnahme nicht bis zum Jahresende abgeschlossen ist.“ (H.)


Kommentar

... von Redakteur Klaus Hilkmann

Eine Nummer kleiner

Auch wenn manche kritischen Worte sicher nicht repräsentativ sind, bringt der Bürgerdialog doch ein deutlich erkennbares Ergebnis: Die Vorstellungen der Ratsmehrheit und der Gemeindeverwaltung für einen Mehrgenerationenplatz am Hubertusring passen offensichtlich nicht mit einem großen Teil der vor Ort lebenden Menschen zusammen. Viele Anwohner sorgen sich verständlicherweise um die gewohnte Ruhe und gute Lebensqualität in ihrer Siedlung. Entsprechend groß ist die Befürchtung, dass sie vor ihrer Haustür künftig bis spät in die Nacht von Feierlärm und lauter Musik beschallt werden.

Dass auch die Gemeinde und die Ratsmehrheit genau das nicht möchten, gehört ebenfalls zur Wahrheit und sollte nicht anders dargestellt werden. Sicher ist auch: Wer sich bei den politischen Entscheidern sowie ganz normalen Anwohnern unaufgeregt und ohne politische Absichten umhört, stößt durchaus auf Gemeinsamkeiten bei den Vorstellungen für eine Umgestaltung. Bei allen Beteiligten stehen neue Spielgeräte und Sitzgelegenheiten ganz vorn auf der Wunschliste – nach Meinung vieler Anwohner am besten schnell und ohne die aufwendige Beteiligung eines teuren Planungsbüros.  

Wie eine für die meisten Beteiligten tragbare Lösung für den Hubertusring aussehen könnte, machte der Ratsherr Norbert Hörnschemeyer unter dem frischen Eindruck des gerade erlebten Bürgerdialogs klar. Für die nun anstehende Planung sollte man sich genügend Zeit nehmen und möglicherweise anerkennen, dass es auch eine oder mehrere Nummern kleiner geht. Wenn es dann keine Fördergelder geben sollte, wäre das schade, sollte aber nicht entscheidend sein. Denn letztlich sollte die Gemeinde das ihr anvertraute Steuergeld im Sinne derjenigen ausgeben, von denen sie es bekommt: Den Bürgerinnen und Bürgern, zu denen ja auch die Anwohner in Lechtingen gehören. (H.)  

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